Das Leben ist wie ein Buch Jeden Tag blättert das Schicksal eine Seite um

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Leider habe ich diesmal die Seite des Leids und der Trauer erwischt. Meine Gefühlswelt ist momentan sehr arg im Keller.

Lange hab ich überlegt, ob ich euch davon erzählen soll. Aber es gehört nunmal zu meinem Leben dazu und ich muss es mir einfach von der Seele schreiben.

Was ist passiert?

Freitag auf Arbeit. Ich habe mein Handy immer – soweit möglich – bei mir in Griffnähe. So auch auf meiner neuen Arbeitsstelle. Als ich gerademal nix zu tun hatte, schaute ich drauf ob es was Neues gibt.

‚Nanu? Ein Anruf von meinem Onkel? – Mama! Großellis!‘

Mein Onkel hatte versucht mich zu erreichen. Da ich den Display aber nach unten liegen hatte und den Ton aus, habe ich es nicht  mitbekommen. Davon abgesehen ist es auch sehr merkwürdig, dass er mich um so eine Zeit versucht anzurufen. Zumal wir auch nicht soooooo arg den regelmäßigen Kontakt haben. (Liegt wahrscheinlich an unseren sehr unterschiedlichen Lebenseinstellungen.) Oder ist etwas mit den Großeltern? Das konnte einfach nix Gutes bedeuten!

Dann gleich noch eine Nachricht von Lani: „Dein Onkel hat mir gerade Bescheid über Paula gesagt …“

‚Häh? Wie bitte??? Was???‘

Erst wollte ich nicht wirklich zurückrufen – die Angst war einfach zu groß. Aber ich musste doch unbedingt wissen was los ist.

Ich schnappte mir mein Handy und ging aus dem Büro.

Schon der Ton, mit dem er dann ans Telefon kam, war sehr alarmierend. Und dann die Worte …

„Paula geht es nicht gut. Sie wird nicht mehr lange machen ……“

………………

Der Kloß im Hals wurde immer größer. Ich brachte kaum ein Wort raus. „Sorry, ich muss auflegen ….“

………………

Das Ganze war so circa eine halbe Stunde vor Feierabend. Auf Arbeit ging bei mir garnix mehr.

Vielleicht mal für euch so als Erklärung:

Meine Mama und ich haben schon immer ein sehr enges Verhältnis zueinander – trotz dass ich bei meinen Großellis aufgewachsen bin. Am 01. Januar 2007 bekam ich 10:30 Uhr einen Anruf der mein Leben sehr veränderte.

Ich weiß nur noch folgende Worte: „Paula … Krankenhaus … Kopf auf“ Das Telefon wanderte zu meinem Schatz und ich war am Boden zerstört.

Schatzi erklärte mir später, dass sie einen Hirnschlag hatte ‚ … und nun im Risk-Krankenhaus in Oslo liegt. Das geplatzte Aneurysma wurde geklemmt und es hieß abwarten.‘

Mithilfe meiner Großellis bin ich dann nach Norwegen geflogen.

Das Ende vom Lied … Sie kam per Krankentransport zu uns nach Dresden ins Krankenhaus. Die erste Zeit sah es gut aus und ich hatte Hoffnung.

Nach 2 Jahren musste ich dann wohl oder übel einsehen, dass die Hoffnung nichts bringt. Es gab einfach keine Besserung. Im Gegenteil.

Leider hatte der Hirnschlag neurologische Auswirkungen – körperliche wären mir lieber gewesen, so doof wie das klingt.

Tja, das Ganze ist nun mittlerweile 11 Jahre her.

11 Jahre in denen wir ihr nicht helfen konnten.
11 Jahre in denen es ihr immer schlechter ging.
11 Jahre in einer geschlossenen Heimstation.
11 Jahre eingesperrt, wo sie doch Zeit ihres Lebens immer vogelfrei war.

Sie hatte noch einen zweiten (leichteren) Schlaganfall und hörte ab da auf zu reden. Kommunikation war garnicht mehr möglich. Aber wir merkten, dass sie geistig nicht weg war – auch wenn uns das einige nicht geglaubt haben. Sie reagierte grundsätzlich auf mich oder Lani. Zeigten wir ihr Bilder, besonders von meinen Mädels, fixierte sie diese ganz fest. Ab und an sah ich auch ein leichtes Lächeln bei ihr. Sie war noch da!

Aber sie wollte schon lange nicht mehr

Vor zwei Wochen fing sie an nichts mehr zu sich zu nehmen. Gaben die Schwestern ihr etwas zu „Trinken“ spuckte sie es sofort wieder aus. Sie weigert sich permanent etwas zu sich zu nehmen.

Freitag hat mich mein Schatz von Arbeit abgeholt und wir sind direkt zu ihr gefahren.

Es war für mich ein fetter Schlag ins Gesicht als ich sie sah. Klar hatte mein Onkel mich vorgewarnt. Aber es dann real zu sehen ist doch nochmal ein paar Nummern heftiger. Sie ist nur noch Haut und Knochen. Kraft sich hinzusetzen hat sie nicht mehr. Würde sie es doch schaffen, würde der Kreislauf sie sofort wieder umhauen.

Trotzdem setzte ich mich zu ihr ans Bett, streichelte sie, sprach mit ihr. Erzählte ihr was alles so passiert ist. Schwelgte mit ihr in Erinnerungen. Aber ich sagte ihr auch wie sehr ich sie liebe. Und wenn sie einfach nicht mehr will soll sie loslassen. Ich kann es verstehen – auch wenn es schmerzt.

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Nach Jahren der Entbehrung sprach Mama 3 Worte: „Ich will schlafen.“

Wie heißt es immer so schön? Wer von ganzem Herzen liebt, muss auch loslassen können. Und für meine Mama würde ich alles tun.

Heute kam zweite jüngere Schwester von mir vorbei und wir sind gemeinsam mit meinem Schatzi zu Mama gefahren.

Und morgen kommt Lani zurück. Sie ist ja die beste Freundin von Mama. Sie allein hinlassen möchte ich nicht, da ich nicht einschätzen kann wie sie es verkraftet. Auch sie hängt arg an ihr.

So versuche ich nun stark zu sein …

Bitte verzeiht mir, sollte es in nächster Zeit ruhig um mich werden. Aber ich denke ihr werdet es verstehen.

Lebt – und genießt jeden Augenblick.
Das Leben ist einfach zu wertvoll um es zu vergeuden.

4 Gedanken zu „Das Leben ist wie ein Buch Jeden Tag blättert das Schicksal eine Seite um

  1. Ich bin froh das du Menschen an deiner Seite hast die diesen schweren Weg mit dir gemeinsam gehen. Fühl dich gedrückt. Ich denke an dich und deine Lieben. Viel Kraft in dieser schweren Zeit.

  2. Schlimm wie es um Paula steht, aber ich kann auch verstehen, das sie selbst wohl nicht mehr möchte.
    Wie du schon geschrieben hast…sie war immer vogelfrei….und das fehlt ihr seit so langer Zeit.
    Ich drücke euch ganz fest und von Herzen und wenn Du einfach nur mal quatschen magst, sag Bescheid, ich komme gerne vorbei.

    *knutsch*

    Iwi

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