Bist du flexibel?

Als Bella mich fragte, ob ich gelegentlich als Gast in ihrem Blog auftreten möchte, habe ich ohne zu zögern und mit Freuden ja gesagt. Sie und ich haben uns auf Anhieb gut verstanden; auch bei dem Autoreninterview, das sie mit mir gemacht hat, hatten wir jede Menge Spaß zusammen. Doch dann stellte sich die nächste Frage: Was soll ich denn schreiben, was sie nicht mindestens ebenso gut darstellen könnte wie ich?

Buchrezensionen? Schreibt Bella für euch – und meine Meinungsäußerungen über Bücher, die ich gelesen habe, findet ihr auf meiner Facebook-Autorenseite.

Tagespolitik? Ach nee, ihr wollt hier doch sicher nicht meine Ansichten über die Griechenlandkrise, den NSA-Untersuchungsausschuss oder die Homo-Ehe lesen!

Doch nach längerem Grübeln hatte ich schließlich eine Idee: Ich könnte euch Erlebnisse und Überlegungen aus meiner Autorinnen-Welt schildern. Vielleicht sind da Aspekte dabei, die ihr in der Form noch nicht bedacht und/oder geschildert bekommen habt. Ich werde mich zunächst auf Fragen konzentrieren, die ich in Interviews häufiger gestellt bekomme und für deren Beantwortung ich eigentlich etwas mehr Raum brauche als den, der im Allgemeinen für eine Interviewfrage zur Verfügung steht. Falls es aber etwas gibt, über das ihr gern einmal meine Meinung erfahren möchtet, könnt ihr mir eure Fragestellung gern schicken. Entweder hier als Kommi, oder als PN auf Facebook oder als Mail unter lily@lily-konrad.de.

Das Thema, um das es heute gehen soll, lautet: „Wie wichtig ist dir die Meinung deiner Leser?“

Klingt zunächst einmal ganz einfach, dennoch ist diese Frage vielschichtig. Dahinter stecken nämlich weitere Fragestellungen wie zum Beispiel: „Kannst du Kritik vertragen? Bist du bereit auf Änderungsvorschläge einzugehen?“ oder auch: „Wie flexibel bist du eigentlich?“

Nun ja, in dieser Beziehung bin ich wahrscheinlich nicht ganz typisch für eine „Indie-Autorin“ (bzw. Autorin eines Kleinverlags). Es macht mich ein bisschen traurig, wenn ich auf Facebook Posts lese, in denen es – überspitzt formuliert – so ungefähr heißt: „Ich schreibe nur dann weiter, wenn ihr mir sagt, dass euch meine Bücher gefallen und wenn ihr sie auch kauft.“ Auch Sätze wie: „Wir Autoren stecken viel Arbeit und Herzblut in unsere Arbeit – das solltet ihr zu schätzen wissen“ finde ich nur bedingt richtig.

Ich schreibe die Geschichten, die in mir sind, denn andere kann ich nicht schreiben. Auch wenn ich – wie bei Complex West – den Handlungsablauf als grobe Skizze vorgegeben bekomme, ist für mich die alles entscheidende Frage: Habe ich dazu Bilder im Kopf? Kann ich mich „aufträumen“, d.h. werden die Figuren in meinem Kopf lebendig? Wenn ja, kann ich die Geschichte schreiben – sonst nicht. Es soll ja meine Story sein, mein Stil, nicht die Story und der Stil eines anderen Autors oder einer anderen Autorin.

Die handelnden Personen in meinen Büchern haben ihren eigenen Charakter, sie agieren so wie es ihnen entspricht. Alle andere wäre aufgesetzt, würde für mich falsch wirken. Das bedeutet auch, dass ich nur dann weiter schreiben kann, wenn meine Protas in meinem Kopf weiter aktiv sind. Ich hatte „Staub von den Sternen“ noch nicht einmal veröffentlicht, als die Protas aus diesem Buch sich in meinem Arbeitszimmer versammelten und mir erklärten, sie seien noch nicht fertig mit mir. Also entstand „Was andere nicht haben“, ohne dass ich wusste, ob diese Bücher jemals Leser finden würden. Natürlich habe ich mich gefreut – und wie! – als nach dem Erscheinen der beiden Bände immer mehr Stimmen laut wurden, die verlangten, dass ich noch einen dritten Teil hinzufügen sollte. Aber ohne das „Einverständnis“ der Protas hätte ich diesen dritten Band nicht begonnen. Daher betrachte ich es nicht als „Auftrag“ dieses Buch zu schreiben. Und alleine die Tatsache, dass ich Arbeit und Herzblut dafür investiere, ist meiner Meinung nach noch keine Anerkennung wert. Das ist es erst dann, wenn ich euch mit meinem Buch ein Lesevergnügen verschaffe.

Aber wie ist das denn nun mit der Kritik? Eine erfahrene Kollegin hat mir mal geraten, Kritikpunkte als eine Art Buffet zu betrachten und selbst zu entscheiden, was ich nehme und was ich liegen lasse. Dieses Bild finde ich sehr passend und hilfreich. Wenn mir beispielsweise eine Testleserin rät, an der einen Stelle noch etwas „gefühlvoller“ zu sein oder an der anderen etwas genauer durchblicken zu lassen, warum sich eine der Romanfiguren so „extrem“ verhält, dann hilft mir das weiter. Es bietet Hinweise auf Punkte, die ich verändern und verbessern kann, um die Geschichte transparenter und besser verständlich zu machen. Wenn in einer Rezi steht, die vielen Handlungsstränge des Romans seien anfangs etwas unübersichtlich gewesen, dann kann ich mir überlegen, wie ich sie beim nächsten Roman besser von einander trenne und sortiere. Aber wenn mir jemand schreibt, das Buch habe ihre Erwartungen nicht erfüllt, dann tut es mir zwar leid, dass meine Geschichte diese Leserin offensichtlich nicht erreichen konnte – aber das hat keine weiteren Konsequenzen. Kann es nicht, weil es wohl niemandem gelingt ein Buch zu schreiben, das alle Erwartungen erfüllt. Und wenn mir eine Kritik keinen Ansatzpunkt für Veränderungen bietet, nehme ich mir die Freiheit, solche Kommentare nicht weiter zu beachten.

Also, wie wichtig ist mir die Meinung meiner Leser? Sehr wichtig. Den größten Spaß am Schreiben habe ich dann, wenn ich erfahre, dass ihr Freude am Lesen habt. Ja, ich bin flexibel. Aber nur in dem Maße in dem ich mir selbst noch treu bleiben kann. Ich kann und will meine Geschichten allerdings nicht so weit verbiegen, dass sie für andere Menschen passen, aber nicht mehr meine eigenen sind. Mit anderen Worten: Ich schreibe Geschichten, die ich selbst gern lesen würde – in der Hoffnung, dass sie auch anderen Leuten gefallen.

Ich hoffe, dass wir noch ganz viele schöne Stunden vor uns haben, ich beim Schreiben und ihr beim Lesen.

Mit lieben Grüßen,

Eure Lily

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